Einheit 6: Unterstützungsangebote & weitere Hilfen
Ziele dieser Einheit
- Sie lernen verschiedene Unterstützungssysteme der Projektpartnerländer kennen
- Sie verstehen Zugangswege zu diesen Institutionen
Österreich: Wer hilft?
Auf organisationaler Ebene
Aus Sicht der Organisationen ist die Wirtschaftskammer als Interessenvertretung der gewerblichen Wirtschaft österreichweit der Hauptanbieter für Information und Beratung bei sexueller Belästigung.
Einige große Organisationen (privat und öffentlich) haben bereits eine Abteilung für Gleichbehandlung eingerichtet — etwa die Tirol Kliniken GmbH oder die Österreichischen Bundesbahnen. Eine unabhängige Institution, die Organisationen umfassend zur Prävention berät, fehlt derzeit.
Auf individueller Ebene
Drei Hauptorganisationen setzen sich für die Interessen der Arbeitnehmer:innen ein:
| Organisation | Rolle |
|---|---|
| Arbeiterkammer Österreich | Gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer:innen. Rechtsberatung und Information. |
| Gewerkschaftsbund | Vertretung der Interessen der Arbeitnehmer:innen, auch in Belästigungsfällen. |
| Gleichbehandlungsanwaltschaft | Öffentliche Einrichtung, seit über 20 Jahren. Rechtsberatung gegen Rassismus, Diskriminierung und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. |
Weitere private Organisationen
- ZARA — Verein für Zivilcourage und Antidiskriminierungsarbeit
- Frauenhäuser — Beratung und vorübergehende geschützte Unterkünfte für Frauen und Kinder
- Caritas und Diakonie — Beratung im kirchlichen Kontext
- Frauen* im Brennpunkt — Beratung, Trainings und Expertise zu Gender, Diversity und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Frauen* im Brennpunkt bietet maßgeschneiderte Trainings für Organisationen zur Prävention sexueller Belästigung.
Anfragen: gleichstellung@fib.at · Tel. +43 (0)512 587 608-28
Im Überblick: Andere Partnerländer
Litauen
Die Ombudsperson für Chancengleichheit ist das wichtigste Unterstützungssystem. Beschwerden über jede Art von Belästigung oder Diskriminierung werden schriftlich angenommen — per Post, E-Mail oder elektronischem Beschwerdeformular.
Türkei
Eine wachsende Zahl von Organisationen und Institutionen auf nationaler Ebene:
- Frauen-NGOs zur Stärkung der Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt
- Beratungs- und Forschungszentren mit psychologischer Unterstützung
- Sozialhilfe- und Solidaritätsstiftungen mit finanzieller Hilfe
- Gewaltpräventions- und -beobachtungszentren rund um die Uhr
- 24-Stunden-Gewalt-Hotline ALO 183
Spanien
Mehrere nationale Organisationen — von spezifischen Vereinigungen wie der „Asociación española contra el acoso laboral y la violencia en el ámbito familiar" bis zu allgemeineren Einrichtungen wie COSMI („Centro de Orientación SocioLaboral"). Auch Gewerkschaften, Ministerien und Stadträte sind beteiligt. Spezifische Angebote für LGBT+-Gemeinschaften und landwirtschaftliche Arbeitnehmer:innen existieren.
Bulgarien
Staatliche Institutionen führen Regeln ein und legen Standards fest, die von anderen Sektoren befolgt werden. Bezirksgerichte (Plovdiv, Smolyan, Asenovgrad, Kardzhali u.a.) sind wichtige Akteur:innen. Staatsanwält:innen helfen Betroffenen, sich über das Justizsystem zu verteidigen, wenn interne Möglichkeiten erschöpft sind. Polizeibeamt:innen sind zentral, wenn Mobbing in Gewalt umschlägt.
Reflexion: Ihre nächsten Schritte
Nehmen Sie sich nach Abschluss des Trainings einen Moment für diese Fragen:
- Welche Anlaufstelle wäre für Ihre Organisation die richtige, wenn morgen ein Verdachtsfall auftritt?
- Welche der genannten Präventionsmaßnahmen existieren in Ihrem Unternehmen bereits — und welche fehlen?
- Wer ist Ihre interne Ansprechperson für sexuelle Belästigung? Wenn niemand benannt ist: Wer wäre geeignet?
- Welche eine Maßnahme könnten Sie diese Woche anstoßen, um die Sensibilisierung zu erhöhen?
Sie haben das Online-Training abgeschlossen. Sie haben damit erste Schritte unternommen, um in Ihrer Organisation zur sensibilisierten Ansprechperson zu werden. Für die vertiefende Ausbildung als be!aware-Mentor:in bieten wir maßgeschneiderte Präsenztrainings an. Mehr Informationen →